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ERBSCHLEICHER – TESTAMENTSANFECHTUNG

Nach § 2080 des Bürgerlichen Gesetzbuches kann jemand ein Testament anfechten, um die Rechtswirkung des Testaments zu vernichten.

Anfechtungsberechtigt ist immer derjenige, der einen Vorteil daraus zieht, dass das Testament angefochten wird. Im Rahmen des Anfechtungsverfahrens muss also der Anfechtungsgrund dargelegt werden. Zu den Anfechtungsberechtigten zählen die von Gesetz vorgesehenen Erben, die Ersatzerben sowie die Vorerben. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Jahresfrist, die ab dem Zeitpunkt läuft, ab dem der Anfechtungsgrund dem Anfechtenden bekannt wurde (§ 2082 BGB). Damit die Form und die Frist eingehalten wird und auch die entsprechenden Gründe vorliegen, sollte unbedingt ein Rechtsexperte eingeschalten werden. Zu bedenken ist auch, dass durch die Anfechtung eventuell ein vorheriges Testament wirksam wird, das für den Anfechtenden auch schlechter sein kann.

Nach § 2078 BGB wird die Anfechtung eventuell deswegen möglich sein, weil der Erblasser über den Inhalt des Testaments im Irrtum war oder ein Testament mit diesem Inhalt überhaupt nicht abgeben wollte und anzunehmen ist, dass er das Testament bei Kenntnis der Sachlage nicht abgegeben hätte.

Eine Anfechtung ist auch möglich, soweit der Erblasser zu der Verfügung durch die irrige Annahme oder Erwartung des Eintritts oder Nichteintritts eines Umstandes oder widerrechtlich durch Drohung bestimmt worden ist.

Zur Klarstellung ist darauf hinzuweisen, dass die Anfechtung nicht durch den Testamentsersteller (den Erblasser) erfolgen kann, sondern anfechtungsberechtigt beim einfachen Testament ist der Dritte, für den die Aufhebung des Testaments einen Vorteil bringen würde. Die typischen Anfechtungsfälle in der Praxis sind die Anfechtungsfälle, weil sich die gesetzlichen Erben übergangen fühlen. Dies kann einmal dadurch geschehen sein, dass sie als Erbe völlig ausgeschlossen wurden oder dass ihnen einfach ein so geringer Teil zugeteilt worden ist, dass sie sich übergangen fühlen. Interessant ist im Rahmen der Erbschleicherproblematik ist der Motivirrtum, der sehr leicht für die Anfechtung führen könnte, wenn die entsprechenden Fakten bekannt sind. Fälle, die hierunter fallen, sind Fälle, bei denen der Erblasser jemanden als Alleinerben eingesetzt hat, in der Hoffnung, dass er bis zum Lebensende gepflegt wird und in Wirklichkeit der Erblasser nur das Testament abwartete und ihn sodann überhaupt nicht mehr pflege, betreute oder besucht. Hierunter fallen auch die Fälle, die in der Erbschleicherpraxis bekannt sind, dass Erbschleicher Erblasser über Fehlverhalten von Kindern täuschen, beispielsweise behaupten sie, dass die Kinder den Erblasser nicht mehr besuchen möchten und in Wirklichkeit Telefon- und Besuchskontakte des Erblassers verhindert wurden.

Derartige Täuschungshandlungen können ebenfalls zu einer Anfechtung führen.

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