Artikel unter 'Demenz'

Erbschleicherei – Demenz – Depressionen

Vielfach wird das Vorhandensein von Depressionen mit Demenz verwechselt.
Depressionen verursachen im Alter oftmals Gedächtnisstörungen, blockieren Denkabläufe, setzen die Konzentrationsfähigkeit herab und beeinflussen damit negativ die Gedächtnisleistung. Dies wird oftmals als Demenz bezeichnet, obwohl in Wirklichkeit nur eine schwere Depression vorlag, die sich meist durch Stimmungsschwankungen, Antriebsmangel und Schlafstörungen zeigt. Auch Rücken- oder Kopfschmerzen, Minderwertigkeitsgefühle oder Niedergeschlagenheit werden oft von Senioren verschwiegen, obwohl dies nicht Grundlage einer Demenz ist, sondern Form einer Depression, die durch schwierige Lebensumstände im Alter wie z.B. Alleinsein und durch Nachlassen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit begründet ist. Es muss also im Rahmen von ärztlichen Gutachten genau geprüft werden, ob wirklich eine Demenz oder nicht nur eine vorhandene Depression vorlag. Allerdings kann auch eine Depression zur Testierunfähigkeit führen.

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Demenzkranke – Laiensicht

Viele Laien, die als Angehörige mit Erbschleichern konfrontiert sind, behaupten immer wieder im Rahmen von Gesprächen über Erbschleicherfälle, dass eine Demenz nicht vorlag.
Von dieser Sichtweise müssen sich Erbschleicheropfer trennen. Sie können die Frage der Demenz überhaupt nicht beurteilen. Es gibt viele Verhaltensauffälligkeiten, die auf eine Demenz schließen lassen, die von Angehörigen oder Opfern von Erbschleichern hingenommen werden, obwohl sie schon die ersten Anzeichen für eine Demenz sind.
Anzeichen für eine Demenz sind oftmals verbale und tätliche Aggressionen, wahnhaftes Erleben mit entsprechenden Personen, Schlafstörungen, Unruhezustände, Einstellung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Einstellen der körperlichen Pflege, dauerndes lautes Rufen und Schreien, Diebstahls- oder sonstige Verdächtigungen.

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Demenz – Deutschen Notaren fehlt die Ausbildung

Die Kester-Haeusler-Stiftung weist daraufhin, dass in vielen Notarverträgen der Vermerk enthalten ist, dass der Notar sich von der Geschäftsfähigkeit überzeugt hat bzw. keine Anzeichen der fehlenden Geschäfts- oder Testierfähigkeit gesehen hat.

Viele Rechtsstreitigkeiten über die Frage, ob ein Testament wirksam ist oder die Vorsorgevollmacht überhaupt im Inhalt von dem Vollmachtgeber erkannt wurde, enden damit, dass die Klagen abgewiesen werden, weil der Notar den Vermerk in der Urkunde aufgenommen hatte, dass er sich von der Geschäfts- oder Testierfähigkeit überzeugte. Den deutschen Notaren fehlt hierzu die grundlegende Ausbildung und das Erfahrungswissen. Dies kann den Notaren auch nicht vorgeworfen werden, da sie ja keine medizinische Ausbildung haben. Um die Demenz wirklich erforschen zu können, ist eine Beobachtung des Betreffenden notwendig, um zu erkennen, ob aufgrund seiner Verhaltensweisen Anzeichen für Demenz vorliegen.

Dies können folgende Punkte sein, allerdings muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass hier eine entsprechende Begutachtung (durch einen Facharzt) immer notwendig ist:

1. Fehlendes oder nachlassendes Erinnerungsvermögen.

2. Gewohnte Handlungen können nicht mehr wie bisher durchgeführt werden.

3. Vergesslichkeit, die immer stärker wird.

4. Sprachliche Probleme, insbesondere auch oftmals bei ganz einfachen Worten.

5. Orientierungsprobleme, insbesondere Entscheidungsprobleme.

6. Das abstrakte Denken lässt immer mehr nach. Selbst einfache Kontenbewegungen können nicht mehr durchgeführt werden.

7. Vergessen, wo Gegenstände abgelegt wurden, wie Schlüssel, Schmuckstücke – damit einher geht oft die Verdächtigung, dass andere Leute die Gegenstände gestohlen haben.

8. Abrupte Schwankungen der Stimmung. Besonders auffällig ist hier, dass oftmals ganz schnell von Freundlichkeit in Aggressivität umgeschaltet wird.

9. Persönlichkeitsänderung insgesamt. Die Persönlichkeitsänderung kann sich oftmals auch dadurch ausdrücken, dass Personen, die in ihrem Leben sehr freundlich und mitteilsam waren, auf einmal verschlossen sind und mit erheblicher Aggression reagieren. Auch Eifersucht auf andere Besucher oder Verwandte, oft Angehörige, kann ein Ausdruck der Demenz sein. Besonders auch ein weiterer Hinweis ist eine immer zunehmende Ängstlichkeit.

10. Motivationsverlust
Der demente Mensch verliert immer mehr die Lust, irgendetwas zu entscheiden oder etwas durchzuführen. Auch alte Hobbys oder Dinge, mit denen er sich beschäftigt hat, interessieren ihn nicht mehr.
Dies sind nur einige vage Anzeichen einer Demenz, des Demenzbeginns, da sich hieraus eine beginnende Demenz erkennen lassen könnte. Für Rechtsstreitigkeiten im Bereich Erbschleicherprozesse oder Erbschaftsprozesse, auch für die Frage, ob ein Testament wirksam errichtet wurde oder eine Vorsorgevollmacht wirksam erstellt wurde, sind die hier oben genannten Tatbestände von einem Psychotherapeut und Neurologen zu überprüfen. Ein auf diesem Gebiet nicht geschulter Helfer sollte bei derartigen Vollmachten keine Erklärung abgeben, dass die Demenz nicht erkennbar war.

11. Vernachlässigung der eigenen Pflege und Aufräumen.

12. Starke Ich-Bezogenheit.

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Erbschleicher – Demenz

Eines der schwierigsten Gebiete ist die Frage, wann man erkennt, ob jemand bei der Verfassung eines Testaments dement war. Völlig abwegig sind hier die Ausführungen in vielen Testamenten, die von Notaren gefertigt werden, indem im Testament zu Beginn der Vermerk steht „Ich habe mich von der Testierfähigkeit überzeugt“. Notare haben in Deutschland keine Ausbildung für das Gebiet und derartige Sätze schaden nur im Erbscheinverfahren. Die Demenz kann dadurch erkennbar werden, dass der Erblasser nicht mehr richtig denken konnte und auch die Urteilsfähigkeit eingeschränkt war. Auch eine Veränderung der Persönlichkeit, insbesondere Affektkontrolle, fehlender Antrieb oder eine Vergröberung des Sozialverhaltens sind Hinweise auf Demenz.

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Demenz – Testierfähigkeit

Das Oberlandesgericht München hat in einer grundlegenden Entscheidung darauf hingewiesen, dass bei dementen Personen keine sogenannten „lichten Augenblicke“ möglich sind. Wenn ein Mensch dement ist, kann er kein Testament errichten.
Es gab in der Forensischen Psychiatrie die Denkfigur des luziden Intervalls –lichten Augenblicks-, welche aber von der medizinischen Wissenschaft als nicht mehr aktuell abgelehnt wird.
Das OLG München erklärt zu diesem Problemkreis in der Entscheidung von 2013:
„…liegt aufgrund einer chronisch-progredienten Demenz Testierunfähigkeit vor, ist ein luzides Intervall praktisch ausgeschlossen.“
Die Entscheidung kann bei der Kester-Haeusler-Stiftung abgerufen werden.

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Erblasser – dement – freundlich zugewandt

In der medizinischen Fachliteratur ist bekannt, dass auffällig ist, dass viele Demente in ihrem Kotaktverhalten freundlich zugewandt sind. Es fehlt ihnen allerdings bei einem bestimmten Schweregrad der Krankheit an Kritik- und Einsichtsfähigkeit, Lang- und Kurzzeitgedächtnis oder an einem planerisch-exekutiven Denken. Der Betroffene kann in einem solchen Fall überhaupt nicht überblicken und abschätzen, welche Kontakte und welcher Umgang mit Personen für ihn von Schaden oder von Nutzen sein können. Derartige Erblasser agieren demnach in einer kindlich-naiven Weise, ohne auch nur im Ansatz die tatsächlichen Absichten und Ziele des Gegenüber –sofern er nur freundlich auftritt- zu erfassen. In einer derartigen Situation sind die Erblasser manipulativen Absichten ungeschützt ausgeliefert und sind nicht mehr in der Lage, Vermögensentscheidungen richtig zu treffen bzw. haben nicht mehr den Willen, frei zu bestimmen und zu vererben.

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