Artikel unter 'Erbschleicherfälle – Datenbank'

Praktiker als Erbschleicher

Im Raum Hannover hatte sich ein Heilpraktiker an eine ältere Dame herangeschlichen.
Er schaffte es, den Einfluss auf die ältere Dame so stark zu erhöhen, dass diese ihm die Betreuung übertrug, was dazu führte, dass er gegenüber sämtlichen Freunden der alten Dame eine Isolierung vornahm, in Form von Haus- und Besuchsverbote.

Als die alte Dame starb, konnte man feststellen, dass der Heilpraktiker es in der Zwischenzeit geschafft hatte, sich auch über das Vertrauen als Erbschleicher anzubiedern und Alleinerbe wurde.

Das prekäre an diesem Fall war, dass die Informationen von der Ehefrau des Heilpraktikers stammten und zum ersten Mal direkt aus der Quelle des Erbschleichers bekannt wurde, wie und mit welcher Taktik der Erbschleicher vorgegangen ist.

Die Taktik war immer die Gleiche. Anschleichen, Isolieren und dann überzeugen, dass er der einzig richtige Erbe ist.

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Erblasser fühlte sich bedroht

Eine interessante Entscheidung hat der Bundesgerichtshof am 04.07.1990 gefällt. In diesem Fall wurde eine Schenkung an einen Erbschleicher deswegen als unwirksam angesehen, weil die Erblasserin sich seinerzeit besonders unsicher und bedroht fühlte.

Der Bundesgerichtshof führt bei dieser Entscheidung aus, dass bei Würdigung ihres hohen Alters ihre Persönlichkeitsstruktur und ihre Lebensumstände Geldgeschäfte in der vorgenommen Art als zu tieft unanständig empfunden wurden. Völlig offen ließ der BGH die Frage nach der Gesinnung des Erbschleichers. Entscheidend für den BGH war, dass der Erbschleicher die Umstände kannte, aus denen die Sittenwidrigkeit der Schenkung offensichtlich zu Tage trat. Diese Entscheidung sollte für Geschädigte ein wichtiger Anlass sein, Rechtsrat einzuholen. Letztendlich kann die Frage, ob diese Entscheidung auf den jeweiligen Erbschleicherfall anwendbar ist, nur von einem Rechtsexperten beantwortet werden, zumal die Entscheidung auch noch weitere sehr deutliche Hinweise auf die Unwirksamkeit derartiger Rechtsgeschäfte gibt.

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Sekten als Erbschleicher

Sekten nehmen nicht nur generell Einfluss auf die Vermögensverhältnisse ihrer Mitglieder oder von ihr abhängige Personen, sondern betätigen sich auch als Erbschleicher. Hierfür gibt es viele Beispiele. Beispielsweise gelingt es Sekten immer wieder als Erben eingesetzt zu werden. Häufig sind auch Fälle, in denen Sekten sich zu Lebzeiten des Erblassers von diesem Gelder bzw. Vermögen übertragen lassen. In einem bekannt gewordenen Fall ist dies wie folgt geschehen: eine 30 Jahre jüngere Frau hat den späteren Erblasser geheiratet. Sie selbst ist in einer bekannten Sekte, genauso wie ihre gesamte Familie. Sie hat den Erblasser, der schon alt und gesundheitlich angeschlagen war, von sich abhängig gemacht und ihn zuerst dazu bewogen, ein Haus zu bauen, in das er mit ihr und ihrer Familie einzieht. Seitdem wird der spätere Erblasser von seiner gesamten Familie und vom Freundeskreis abgeschirmt. Er verlässt das Haus nicht mehr. Über seinen Gesundheitszustand ist seit Monaten nichts bekannt. Allerdings ist es der Erbschleicherin gelungen, dass sie sämtliches Immobilienvermögen (zugunsten der Sekte) auf sich übertragen lässt. Dies führt zu einer erbrechtlichen Beachteiligung der Verwandtschaft, denen das Immobilienvermögen eigentlich aufgrund eines Testaments des Erblassers mit seiner früheren Ehefrau zugestanden hätte.

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Innerfamiliäre Erbschleicherei

Auch wenn in vielen Fällen Erbschleicherei durch außenstehende Dritte erfolgt, gibt es auch im innerfamiliären Kreis viele Erbschleichersituation. Am häufigsten sind sicherlich die Konfliktsituationen zwischen mehreren Kindern oder dem Lebensgefährten / der Lebensgefährtin und den Kindern aus einer früheren Beziehung / Ehe. Es ist aber auch mit atypischen Fällen zu rechnen. In einem mitgeteilten Fall sorgte der erwachsene Sohn für den Vater, der aufgrund des hohen Alters sehr beeinflussbar war. Dessen ebenfalls erwachsener Enkel hat es dann geschafft – unter Umgehung des eigenen Vaters – sich als Erben einsetzen zu lassen und sich zu Lebzeiten des Betroffenen die Immobilie des Großvaters übertragen zu lassen. Damit liegt einer Erbschleicherei des Enkels gegenüber dem Großvater und zum Nachteil des Vaters vor. Es wird zu prüfen sein, ob der Großvater überhaupt noch geschäfts- bzw. testierfähig war.

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Informationen zu Risiken und Schutzmaßnahmen bei Erbschleicherei

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Erbschleicherfälle – Datenbank

Die Stiftung hat eine eigene Datenbank zur Erforschung von Informationen über Erbschleicherfälle. Bitte teilen Sie uns Ihren Fall mit. Wir helfen Ihnen auch schon im Vorfeld, gegen Erbschleicherfälle vorzugehen. Vielfach sind durch Erbschleicherfälle betroffene Personen so paralysiert, dass sie gegen die unverfrorene Art von vielen Erbschleichern nicht vorgehen. Gerade diese Tatsache führt oftmals zu Problemen in Erbschleicherfällen, weil zu wenig Fakten gesammelt wurden.

Sie können sich auch vertraulich an den Leiter der Datenbank, Herrn Rechtsanwalt Prof. Dr. Thieler – München 089/74299905 wenden.

Wir verweisen auch auf die Rechtsdokumentation von Rechtsanwalt Prof. Dr. Volker Thieler „Erbschleicherfälle richtig erfassen im juristischen und medizinischen Bereich“.

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