Hundertjährige heiraten?

Die Praxis des Autors zeigt, dass viele Standesämter bei Eheschließungen viel zu unkritisch agieren und verheiraten, ohne die Ehefähigkeit geprüft zu haben. Das Problem stellt sich häufig bei hochbetagten älteren Männern, die jüngere Damen heiraten. In einem aktuellen Fall hat ein 85-Jähriger eine knapp 60-Jährige geheiratet. Vielfach können die älteren Männer die Eheschließung und die Folgen (gesetzliches Erbrecht, Pflichtteilsansprüche u. ä.) überhaupt nicht mehr absehen.

Prof. Dr. Wolfgang Böh, München-Gräfelfing
Rechtsanwalt
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gestaffelte Erbschleicherei

In einigen Fällen werden Betroffene durch eine mehrfache Erbschleicherei geschädigt. Dies kann so geschehen, dass eine Person dem Betroffenen erklärt, dass er gerade von einem Erbschleicher geschädigt wird. Der Betroffene erkennt dies und vertraut daraufhin dieser neuen Person. Manchmal ist diese neue Person aber auch ein Erbschleicher und schädigt den Betroffenen dann weiter.

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Vorsorgevollmacht bei sich perpetuierender Erbschleicherei

Nicht nur in Erbfällen, sondern auch zu Lebzeiten von Betroffenen sind Erbschleicher aktiv. Häufig wird versucht, sich eine Vorsorgevollmacht zu holen, um die betroffene Person schon zu Lebzeiten wirtschaftlich zu schädigen. Es gibt dann nicht selten heftige Diskussionen zwischen den Angehörigen, der Erbschleicherperson und der betroffenen Person. Diese sitzt zwischen den Stühlen. Angehörige müssen in einer solchen Situation mit Fingerspitzengefühl überlegen, wie sie sich verhalten, um nicht zu viel Druck auf die betroffene Person auszuüben. Andererseits genügt es häufig nicht, sich einfach selbst eine Vorsorgevollmacht geben zu lassen, weil immer die Gefahr besteht, dass die betroffene Person vom Erbschleicher dazu überredet wird, diese Vollmacht zurückzunehmen.

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Erbschleicher aus dem Arbeitsumfeld

Vermehrte Fälle zeigen dem Autor, dass eine Erbschleichersituation auch aus dem Arbeitsumfeld eintreten kann. In einem Fall hatte sich die Erbschleicherperson an einen Arzt herangemacht. Die Erbschleicherperson war die Ehefrau eines Arztkollegen. Es kam zu einer Beziehung und die Erbschleicherperson erreichte die Enterbung des Abkömmlings. In einem anderen Fall war der Erbschleicher der Gesellschafts- und Geschäftsführerkollege des späteren Erblassers. Der Erbschleicher hat sich durch eine Täuschung des späteren Erblassers erhebliche Vermögensvorteile verschafft.

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Erbschleicherei bei Eheleuten zum Nachteil von Verwandten

Immer wieder tritt das Problem auf, dass bei Eheleuten ein Ehepartner verstirbt und dieser im Vertrauen darauf, dass das Vermögen letztlich zu den Verwandten, insbesondere den Kindern geht, testiert hat. Es gibt dann aber Fälle, in denen der überlebende Ehepartner das Vermögen an Dritte weitergibt und die Verwandten, respektive die Kinder benachteiligt. Dabei kann es sein, dass der überlebende Ehepartner von einer Erbschleicher-Person beeinflusst wird und der Ehepartner dazu gebracht wird, entsprechend das Vermögen umzuleiten.

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Die Angreifbarkeit von ärztlichen “Gefälligkeitsattesten”

Inzwischen gibt es eine verbreitete Praxis bei Erbschleichern, die Wirksamkeit von Testamenten oder ähnlichen Urkunden mittels ärztlicher Atteste abzusichern. Leider gibt es immer wieder Ärzte, die auf Veranlassung der Erbschleicher ein solches Attest ausstellen und die Geschäfts- bzw. Testierfähigkeit der betroffenen Person ohne nähere Prüfung bestätigen. Hiergegen können betroffene Angehörigkeit später im Erbfall aber vorgehen, beispielsweise indem ein Rügeverfahren bei der zuständigen Ärztekammer eingeleitet wird oder ein Strafverfahren wegen der Ausstellung eines falschen Gesundheitszeugnisses.

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Erbschleicherei: Tanten als Opfer

Viele Fälle, in denen Erbschleicher zum Zuge kommen, betreffen die Situation, dass eine Tante verstirbt und dann ein Testament zugunsten der Erbschleicher-Person erstellt. Diese Fälle häufen sich in den letzten Jahren. Das mag daran liegen, dass (1) Männer ggf. früher sterben als Frauen und diese deshalb übrig bleiben und (2) bei Tanten die verwandtschaftliche Beziehung nicht so stark ist, sodass es einer Erbschleicher-Person leichter fällt, die Betroffene zu überzeugen. Das liegt vielfach auch daran, dass die Tante räumlich entfernt lebt und damit ein ständiger Ansprechpartner aus der Verwandtschaft fehlt. Zudem ist die Verwandtschaft nicht durch Pflichtteilsansprüche geschützt.

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Indizien für Erbschleicherei im Testament

Gerade Verwandte gehen bei einer guten Beziehung zum Erblasser häufig davon aus, dass ihre Rechtsposition gesichert ist. Es gibt meistens ein altes Testament, in dem die Verwandten als Erben stehen. Im Erbfall geschieht es dann vielfach, dass ein neues Testament auftaucht und ein Dritter als Erbe genannt ist. Das passiert manchmal aus heiterem Himmel, ohne dass die Verwandten dies geahnt haben. In einigen Fällen liefert dann der Testamentstext einen Anhaltspunkt dafür, warum es der dritten Person gelungen ist, Erbe zu werden. In einem dem Autor bekannten Fall steht im Testament, dass der Erblasser erfahren hat, dass die Verwandten nur sein Geld wollen und gar kein Interesse an ihm haben. Dies wurde dem Erblasser anscheinend von der dritten Person (der Haushälterin) eingeredet. Hieraus ergibt sich dann ein Ansatzpunkt für eine spätere gerichtliche Überprüfung.

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Erbschleicherei im Ausland

Ein Auslandsbezug verschlechtert die Situation von benachteiligten Angehörigen drastisch. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Lebt der Betroffene noch, so gelingt dem Erbschleicher in der Regel bereits mit Blick auf die Entfernung, die Sprachbarreriere und die abweichende Rechtslage ein besseres Abschotten bzw. eine nachteiligere Regelung. Im Erbfall setzt sich diese Situation fort. Das Nachlassverfahren ist anders. Oft wird man zu spät vom Erbfall informiert. Der Betroffene wird häufig eingeäschert, sodass eine Obduktion nicht mehr möglich ist.

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Erbschleicherei innerhalb eines Erbfalls

Dem Autoren sind mehrere Fälle bekannt, bei denen im Rahmen eines Erbfalls eine Erberschleichung erfolgt. Es kommt dann vor, dass eine Miterbengemeinschaft besteht. Ist dann einer dieser Miterben selbst angeschlagen, ist es denkbar, dass andere Miterben diesen angeschlagenen Miterben dadurch schädigen, dass sie sich Vorteile im Rahmen der Erbengemeinschaft verschaffen. Beispiele sind: Verbringen von Nachlassgegenständen, Kontoabhebungen, Verteilung von Bargeld, Schmuck, Goldbarren.

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